Strecke 3600: Werrabrücke bei Oberrieden

Karte der Nord-Süd-Strecke, Ausschnitt aus Karte der BD Kassel von 1957 (Quelle: Manfred Knappe)
Mit freundlicher Genehmigung von Manfred Knappe

Bis 1990:

Durch den »Eisernen Vorhang« waren die östlichen Parallelverbindungen, insbesondere zwischen Skandinavien und Rostock, von Hamburg nach Halle und von Leipzig über die Saalebahn nach Nürnberg, nicht mehr benutzbar. Die östlichste Nord-Süd-Strecke der Bundesrepublik wurde zur »Westumfahrung der DDR«. Hinzu kam ein starkes allgemeines Verkehrswachstum. Damit stieg die Nord-Süd-Strecke zu einer der wichtigsten Verbindungen auf. Im Sommer 1989 fuhren zwischen Göttingen und Bebra 37 Fernzüge pro Tag und Richtung.

Um den Verkehr beherrschen zu können, wurde die Strecke ausgebaut. Schon in den 1950er Jahren wurden leistungsfähigere Stellwerke errichtet, die an den Steigungen vor Cornberg und Eichenberg Gleiswechselbetrieb ermöglichten. Die Inbetriebnahme des einseitigen Gleiswechselbetriebes von Bebra nach Cornberg erfolgte am 17. Oktober 1951. Bis 1963 wurde die Strecke elektrifiziert. Um Platz für die Oberleitung zu schaffen, wurde der Braunhäuser Tunnel nach oben geöffnet, in den anderen Tunneln wurden die Gleise tiefer gelegt.

Viele kleinere Bahnhöfe wurden aufgegeben, damit die haltenden Nahverkehrszüge nicht die Intercitys behindern. Dies traf im Jahr 1989 noch Obernjesa. Darüber hinaus wurden mit Ausnahme der Hauptstrecke von Eichenberg nach Kassel alle abzweigenden Strecken im Personenverkehr aufgegeben.

Ab 1990:

Bereits seit den 1960er Jahren wurde klar, dass die gesamte Nord-Süd-Strecke zu überlastet und zu langsam für attraktiven Fernverkehr ist. Bei Eichenberg lassen die Kurven nur 90 km/h zu, bei Bebra nur 70 km/h. Dies führte zur Planung und zum Bau der Schnellfahrstrecke von Hannover nach Würzburg, die 1991 den schnellen Fernverkehr übernahm. Auf der alten Route blieben die Güterzüge, der Nachtzugverkehr und der Regionalverkehr.

1990 wurde die Bahnstrecke zwischen Halle und Hann. Münden bei Eichenberg wiedereröffnet, in diesem Zusammenhang wurden der Bahnhof Eichenberg umgebaut, um hier Fernzüge zwecks Grenzkontrolle abfertigen zu können. Der Lauf der Geschichte, die Deutsche Einheit am 3. Oktober 1990, überholte diese Maßnahme aber, so dass der Bahnhof nur fünf Wochen zur Grenzabfertigung genutzt wurde und der Bahnsteig Richtung Halle heute dementsprechend überdimensioniert erscheint. 1998 folgte der Bau einer Verbindungskurve nordöstlich von Eichenberg, die direkte Fahrten von Göttingen nach Heiligenstadt ermöglicht. Sie übernimmt damit wieder die Funktion, die die 1884 aufgegebene Strecke hatte.

Neben dem Bebenroth-Tunnel wurde zwischen 2010 und 2013 ein 1.030 Meter langer Neubau gebohrt und der bisherige Tunnel saniert. Beide Röhren enthalten seitdem nur noch ein Gleis.

Heutiger Betrieb:

Die Strecke ist vom Durchgangsverkehr, insbesondere mit Güterzügen, viele Container- und Autotransporte, geprägt. Daneben ist sie wichtig zur Erschließung des Werra-Meißner-Kreises. Im Personenverkehr fährt stündlich die cantus Verkehrsgesellschaft mit Stadler FLIRT-Triebwagen zwischen Göttingen, Eschwege und Bebra als Linie R7 des NVV. Einzelne Fahrten verkehren in südliche Richtung verlängert von und nach Bad Hersfeld oder Fulda.

Der Nordhessische Verkehrsverbund hat zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009 die Strecke zwischen Eschwege West und Eschwege Stadt als eigene Eisenbahninfrastruktur wieder in Betrieb genommen und modernisiert. Dabei wurde nördlich und südlich des Bahnhofs Eschwege West je eine Verbindungskurve zur Trasse der ehemaligen Kanonenbahn hergestellt. Dadurch wird der Bahnhof Eschwege West umfahren, dieser hat somit keinen planmäßigen Personenverkehr mehr. Der Haltepunkt Eschwege-Niederhone wurde neu eingerichtet. Der Stadtbahnhof Eschwege erhielt ein neues Empfangsgebäude, ein zweigeschossiges Parkhaus sowie einen großen, neuen zentralen Omnibusbahnhof.

Quelle: Wikipedia, Bahnstrecke Göttingen - Bebra
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