Strecke 6710: Bahnmeisterei Eschwege West

Vor 30 Jahren: Kanonenbahn / Waldkappeler Bahn / Lossetalbahn

Einstellung des Personenzugverkehrs von Eschwege nach Kassel am 31. Mai 1985

Die 66 km lange Bahnstrecke, die vor 30 Jahren im Personenzugverkehr stillgelegt wurde, entstand in vier Abschnitten innerhalb eines Zeitraumes von 5 Jahren:
Im Oktober 1875 wurde die Bebra–Friedländer Eisenbahn eröffnet, von der aus eine Stichstrecke von Niederhone bis Eschwege schon mitgebaut wurde. Im Mai 1879 folgte die Eröffnung der Kanonenbahn zwischen Niederhone und Malsfeld, welche im Abschnitt bis Waldkappel zu unserer Strecke gehört. Im Dezember 1879 wurde dann die sogenannte Waldkappeler Bahn (CWE) bis Bettenhausen, heute Kassel-Bettenhausen, eröffnet. Im März 1880 folgte dann der Lückenschluß zwischen Bettenhausen und Wilhelmshöhe, zwischen Wilhelmshöhe und Hbf Kassel bestand schon die Main-Weser-Bahn seit 1849.

Da in Waldkappel die Cassel-Waldkappeler Eisenbahn (CWE) auf die Kanonenbahn traf, war hier ein Kreuzungsbahnhof, dieser hatte sogar einen Rechtecklokschuppen mit Drehscheibe, welcher aber samt allen Bahnhofsanlagen am 31. März 1945 durch einen von Fliegerbomben getroffenen abgestellten Munitionszug zerstört wurde. 17 Menschen fanden dabei den Tod.

Erwähnenswert ist noch ein Aufschwung in den 1950er Jahren. Es sind doch damals noch neue Haltepunkte geschaffen worden, an denen aber nur Triebwagen hielten: Ober–Niederhone 1953, Niddawitzhausen und Oetmannshausen am 1. Oktober 1954.

Die durch Abnahme des Personenzugverkehrs bedingte Rationalisierung, erfolgte dann die Zugbespannung mit Dieselloks, sowie Triebwagen und Schienenbussen. Die letzte Dampflokfahrt fand übrigens am 2. Juni 1973 von Eschwege nach Kassel statt. Weiterer Fahrgastrückgang führte zur Einstellung des Zugverkehrs nach Kassel. Die letzte Zugfahrt fand mit Zügen der Nummern 7918 und 7919 statt. Gezogen von einer Diesellok der Baureihe 216 ab Eschwege und zurück ab Kassel mit einem Triebwagen der Baureihe 798, die jeweils mit Schild und Trauerflor geschmückt waren.

Nach der Einstellung des Personenverkehrs blieb der Güterverkehr von Waldkappel nach Eschwege bis ins Jahr 1996 sowie von Kassel bis Walburg noch bis ins Jahr 2002 erhalten. Dort fuhren zuletzt Braunkohlezüge, die aus Epterode kamen und das Kraftwerk Kassel-Niederzwehren als Ziel hatten.

Im Jahr 2006 wurde die Strecke zwischen Hessisch Lichtenau und Kassel, ab Helsa schon ab 2001, für die Regio-Tram aktiviert.
Mit den Bauarbeiten für die Autobahn 44 fielen schon Teile der Bahntrasse zwischen Walburg und Waldkappel der Autobahn zum Opfer. Mit dem Voranschreiten des Baus, wird auch die in Hanglage verlaufende Bahnstrecke zwischen Waldkappel und Reichensachsen dem Autobahnbau weichen müssen.
 
Bilder der Strecke von Eschwege nach Waldkappel aus der Sammlung von Erwin Bödicker:
 
Bahnhof Eschwege
Bahnhof Eschwege
   
Haltepunkt Ober-Niederhone
Haltepunkt Ober-Niederhone
 
Bahnhof Eschwege West
Bahnhof Eschwege West
 
Haltepunkt Niddawitzhausen
Haltepunkt Niddawitzhausen
 
Haltepunkt Reichensachsen  West
Haltepunkt Reichensachsen  West
 
Haltepunkt Oetmannshausen
Haltepunkt Oetmannshausen
 
Bahnhof Bischhausen
Bahnhof Bischhausen
 
Bahnhof Waldkappel
Bahnhof Waldkappel

 
Aus der Sammlung von Küchen - Unser Dorf e.V.:
 
Sonderrückfahrkarte der letzten Zugfahrt von Eschwege nach Kassel am 31. Mai 1985 (Sammlung: Küchen - Unser Dorf e.V.)
   
Schild mit Trauerflor der letzten Fahrt zwischen Eschwege und Kassel sowie zurück, das von den Freunden der Eisenbahn Eschwege e.V. an der Zuglok 216 und am Schienenbus 798 angebracht war (Sammlung: Küchen - Unser Dorf e.V.)
Schild mit Trauerflor der letzten Fahrt zwischen Eschwege und Kassel
sowie zurück, das von den Freunden der Eisenbahn Eschwege e.V.
an der Zuglok 216 und am Schienenbus 798 angebracht war
(Sammlung: Küchen - Unser Dorf e.V.)
 
Siehe Bild auf der linken Seite
Sonderrückfahrkarte der letzten Zugfahrt von Eschwege nach Kassel
am 31. Mai 1985 (Sammlung: Küchen - Unser Dorf e.V.)